Größter Kanalknotenpunkt der Welt | Stadt Datteln

Ziel ist Glasfaser f├╝r die ganze Stadt: Breitbandversorgung in Datteln - Muenet-Ausbau im Au├čenbereich

10.9.2020 - Im gesamten Stadtgebiet waren und sind Bautrupps unterwegs, um Glasfaserkabel zu verlegen: Der Breitbandausbau in der Kanalstadt schreitet mit großen Schritten voran. Laut Prognose des Kreises Recklinghausen wird im Frühjahr kommenden Jahres nahezu jeder vierte Haushalt mit einem Glasfaseranschluss versorgt sein und nahezu 70 Prozent der Dattelner*innen verfügen dann über eine Leitung mit mindestens 100 Mbit/s. Bereits in zwei Jahren wird sich die Anzahl der Glasfaseranschlüsse laut Prognose deutlich mehr als verdoppelt haben. Neben privatwirtschaftlichem Engagement laufen derzeit drei Projekte, um den Ausbau des schnellen Internets voranzutreiben.

Foto: Pixabay; Fotograf: Chaitawat Pawapoowadon

Die Versorgung mit schnellen Internetleitungen gleicht heutzutage nahezu einem Grundbedürfnis. Sei es der Hauseigentümer, der seine Mietwohnung vermarkten möchte, oder der Unternehmer, der immer größere Datenpakete digital durchs World Wide Web schickt, oder aber Schüler, die nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie ihre Aufgaben zuhause am Computer lösen. „Die Nachfrage steigt, wir haben diesbezüglich in den vergangenen Monaten immer mehr Anfragen bekommen“, sagt Stefan Huxel, Breitbandbeauftragter der Stadt Datteln. Mittelfristig ist nach Expertenschätzungen davon auszugehen, dass sich die Datenmengen verdreifachen werden, die durchs Netz geschickt werden.

Dabei hat die Stadtverwaltung nur sehr bedingt Einfluss auf den Breitbandausbau, denn 1995 wurde im Rahmen des Gesetzes zur Neuerung des Postwesens und der Telekommunikation („Postreform II“) die Deutsche Bundespost in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das bildete den Startschuss für die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes. Seitdem entscheiden Unternehmen nach wirtschaftlichen Interessen über den Breitbandausbau.

1.600 Haushalte und Schulen profitieren vom geförderten Ausbau

Der „wirtschaftliche Blick“ der Unternehmen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass einige Regionen speziell in Randlagen nicht als lukrativ angesehen wurden. Im Auftrag der kreisangehörigen Städte hat der Kreis Recklinghausen daher Fördergelder in Höhe von 68,35 Millionen Euro von Land und Bund abgerufen, um die sogenannten „weißen Flecken“ im Kreisgebiet zu erschließen. Dabei handelt es sich um Anschlüsse, die im Rahmen der Markterkundung im Jahre 2016 maximal 30 Mbit/s vorzuweisen hatten. In Datteln profitieren bis zum geplanten Abschluss des Projektes im Mai 2021 rund 1600 Haushalte sowie alle Schulen.

Innogy wandelt mittelfristig in Glasfaser um

Große Teile Dattelns von Meckinghoven entlang der B 235 bis zum Datteler Berg, die derzeit mit sogenannten Vectoringanschlüssen (FTTC) mit einer Leistung von bis zu 120 Mbit/s der Innogy GmbH angebunden sind, werden nach Angaben eines Unternehmenssprechern „mittelfristig“ in FTTH-Anschlüsse, also Glasfaser bis ins Haus, umgewandelt. Konkretere Angaben, etwa wann genau dies der Fall sein wird, konnte der Unternehmenssprecher derzeit leider noch nicht machen.

Digitale Infrastruktur ist Voraussetzung für lokale Wirtschaft

Die digitale Infrastruktur – insbesondere die Internetanbindung – ist Voraussetzung zum Erhalt und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der örtlichen Unternehmen. Bereits heute wird die Mehrheit der Geschäftsmodelle durch internetbasierte Dienste unterstützt. Stichwörter wie digitale Auftragsverwaltung oder Social Media Strategien haben längst den Weg zu Mittelstand und Handwerk gefunden. In naher Zukunft stehen die Unternehmen in Deutschland vor einer technischen Revolution, die geprägt sein wird durch eine konsequente Digitalisierung jedweder Geschäftsmodelle. Leistungsfähige Internetzugänge sind die zwingende Voraussetzung für die Teilhabe aller an der Digitalisierung.

Für Anwendungen im gewerblichen Bereich spielen neben hohen Download-Bandbreiten noch weitere Faktoren (Verfügbarkeit, Reaktionszeit, etc.) eine große Rolle. Vor diesem Hintergrund erfüllen nach derzeitigem Kenntnisstand nur durchgängige Glasfaserleitungen bis zum Endkunden alle Anforderungen. Daher haben sich die Wirtschaftsförderungen aus dem Ostvest zusammengeschlossen und nehmen gemeinsam an einem Pilotprojekt des Breitband-Kompetenzzentrums Gigabit.NRW im Rahmen des Aktionsplans Gewerbegebiete teil.

Ziel ist es in Datteln die privatwirtschaftliche Versorgung des Gewerbegebiets Sutumer Bruch und der Industriestraße zu realisieren. Zunächst haben die Städte Oer-Erkenschwick, Waltrop und Datteln in Kooperation mit dem Kreis Recklinghausen über einen Online-Fragebogen den Bedarf der jeweiligen Betriebe in den fraglichen Gebieten abgefragt. Die Kreisverwaltung hat diese Daten gebündelt, um Telekommunikationsunternehmen zum Ausbau zu bewegen. Derzeit läuft die Akquisephase der Unternehmen. Unterstützt wird das Projekt von der Handwerkskammer Münster sowie der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen.

Schnelles Internet für den Außenbereich

Das Projekt „Schnelles Internet für Dattelns Außenbereich“ nimmt rasant Fahrt auf.  Bis zum Feiertag am 3. Oktober 2020 nehmen die Polygon-Paten verbindliche Auftragsvergaben an, so dass im neuen Jahr direkt mit dem Bau begonnen werden kann und die Teilnehmer des Solidarprojektes im Frühjahr 2021 über Glasfaserleitungen verfügen. Dazu gibt es noch eine gute Nachricht: Es wird günstiger.

Die Muenet GmbH bietet den Projektpartnern, der Landwirtschaftliche Ortsverein Datteln (LOV) sowie die Stadt Datteln, die besten Konditionen an und Geschäftsführer Patrick Nettels bekundete jüngst in einem Gespräch, dass die Muenet trotz Wegfalls einiger Adressen u.a. durch den geförderten Ausbau weiterhin Interesse an der Projektumsetzung hat.

Dazu servierte Nettels eine weitere gute Nachricht.  Da das Unternehmen aus Coesfeld ein neues Konzept fährt, kostet der Anschluss inklusive Erdarbeiten 1.100 Euro - rund 300 Euro weniger als vor rund einem Jahr geplant. In der damaligen Planungen waren die Erdarbeiten des Lohnunterhemers nicht inklusive. Ein passiver Anschluss, der einen aktiven Anschluss voraussetzt,  schlägt mit 1.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten in Höhe von rund 300 Euro für die so genannte „Buddelkasse“ mit der z.B. Treibstoff sowie Versicherungen etc. bezahlt werden. Wer die übrigen Arbeiten in Eigenleistung erbringt, zahlt nach derzeitiger Planung also 1.400 Euro. Letztgenannte Arbeiten umfassen die Erdarbeiten auf dem eigenen Grundstück sowie der Netzwerkausbau im eigenen Haus. Daran schließt sich ein 24-monatiger Provider-Vertrag mit der Muenet GmbH an.