„Grenzen muss man überschreiten“: Stadtplakette für Hans Overkämping
Das Bild zeigt im Vordergrund Hans Overkämping mit der Urkunde und rechts Bürgermeister André Dora, der die Stadtpakette in der Hand hat.

5.4.2019 - Dass das, was man einmal gelernt hat, nicht für alle Zeit stimmen muss, erfuhren die rund 50 Gäste, die gestern in der Friedenskirche waren: bei der Verleihung der Stadtplakette an Hans Overkämping.

Stellvertretend für den Rat der Stadt Datteln eröffnete Bürgermeister André Dora den launigen Abend mit dem Hinweis, dass der zu Ehrende eigentlich einen anderen Namen trägt. Zumindest einen anderen als der, unter dem er den meisten bekannt sein dürfte. Sein Vorname lautet nämlich eigentlich Johannes Heinrich.

Das Schöne ist, „dass wir heute einen ökumenischen Abend feiern“, sagte André Dora, weil Vertreter vieler verschiedener Kirchen vertreten sind. Von Hans Overkämping habe er gelernt, dass es keine Grenzen gibt, dass es sie nur im Kopf gebe. Man muss „Grenzen, die sich eingefahren haben, einfach mal überschreiten.“

Das Bild zeigt von links: Anatoly Moseler, Gotthard Moseler und Irina Tseytlina.

Hospizbewegung in Datteln angestoßen

Overkämping habe in Datteln die Hospizbewegung angestoßen. Ihm sei es zu verdanken, sagte Dora, dass wir in Datteln ein Hospiz haben. Bis Overkämping es angesprochen habe, sei es ein Tabu-Thema gewesen, über das man nicht spricht. Overkämping habe sich dieses Themas angenommen und dadurch vielen Menschen geholfen. Er habe eine Antenne dafür, mit Menschen zu sprechen und ihre Sorgen aufzusaugen.

„Du bist nicht nur ein Ehrenmann, sondern es ist eine Ehre, dass du unter uns wohnst“, würdigte Dora den neuen Stadtplaketten-Inhaber. „Es ist eine ganz große Ehre, was du für unsere Stadt getan hast.“

Laudator Horst Borrieß sagte zu Beginn, dass ihm mal gesagt worden sei, er dürfe über alles reden, nur nicht über 20 Minuten. Diese erlaubten 20 Minuten dauerten bei Borrieß mit Leichtigkeit über 30 Minuten. Die zweite Erkenntnis des Abends, aber keine Überraschung für die diejenigen, die Borrieß schon länger kennen.

Stadtplakette ist eine gute Idee

Borrieß stellte seine Verbundenheit, seine kongeniale Freundschaft zu Hans Overkämping in den Mittelpunkt seiner Laudatio. Er präsentierte viele Beispiele dafür, dass sich die beiden immer sehr gut ergänzt haben. Und er fragte rhetorisch: „Was ist das, eine Stadtplakette? Erlaubt sie das kostenlose Parken? Wahrscheinlich nicht.“ Borrieß lobte die Ratsmitglieder für die gute Idee, die Stadtplakette den Bürgerinnen und Bürger zu Lebzeiten zu verleihen.

Borrieß zollte Overkämping Anerkennung dafür, dass er sich auf mehr einlasse, als es das Berufsbild hergibt. Dass er immer zur Stelle sei, wenn man ihn braucht. Um seine Verdienste zu würdigen, müsse es eine Pfarrer-Johannes-Overkämping-Allee in Datteln geben, sagte Borrieß – und das war wahrscheinlich nicht nur als Scherz gemeint.

Die Musik und die Musizierenden für diesen Abend hatte Hans Overkämping selbst ausgesucht: Gotthard Moseler (Klavier), Anatoly Moseler (Geige) und Irina Tseytlina (Klavier) aus Datteln, die Stücke von Henryk Wieniawski und Alfred Schnittke spielten.

Stadtplakette würdigt Verdienste von Overkämping

Mit der Verleihung der Stadtplakette würdigt der Rat die besonderen Verdienste, die Hans Overkämping im sozialen und karitativen Bereich erworben hat.

1986 hat Hans Overkämping mit Mitarbeitern des Elisabeth-Krankenhauses in Recklinghausen das „Hospiz zum Heiligen Franziskus“ gegründet. Außerdem war er unter anderem Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, die heute als Deutscher Hospiz- und Palliativverband bekannt ist.

Schon 2012 hat er für seinen unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz für die Hospizbewegung und die Palliativarbeit den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands erhalten. Im September 2018 bekam Overkämping das Bundesverdienstkreuz.

Seit 1992 ist er als Seelsorger für Patienten, aber auch für deren Angehörige des Elisabeth-Hospizes in Datteln ansprechbar. Und er hat die Arbeit des „Wohnhauses für Anne und Klaus“ (Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung in Datteln) des Lebenshilfe Waltrop e. V. unterstützt und sich für die Kleine Oase eingesetzt.

Die Stadtplakette

Die Stadtplakette, die höchste Auszeichnung der Stadt Datteln, ist eine bronzene Platte, die mit einer Urkunde vergeben wird. Dass Hans Overkämping sie bekommt, hat der Rat im September 2018 einstimmig beschlossen – den Antrag hatten alle Fraktionen gemeinsam gestellt.

Die Stadtplakette ist die höchste Dattelner Auszeichnung. Dass sie eine besondere Ehrung ist, zeigt sich daran, dass sie bislang erst acht Personen bekommen haben:

  • Pfarrer Emanuel Wethmar, 1974-1998
  • Heinrich Speeck, 1978-1995
  • Dr. med. Georg Toschke, 1983-1988
  • Walter Sauer, 1989-1991
  • Lieselotte Feldtmann, 1993-2011
  • Sybille Hahne, 1993-2012
  • Gertrud Ritter, 2009
  • Hans Overkämping, 2019


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