J├╝rgen Rei's ZeigeZeit: "Vom Watt zum Watzmann"
Das Bild zeigt Hermann-Josef Bergmann vor einem Berg.

5.4.2018 - Vor über 20 Jahren hatte Hermann-Josef Bergmann einen vagen Plan: Lückenlos wollte er vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Deutschlands und weiter bis nach Berchtesgaden wandern. Er wollte nicht die kürzeste Route wählen, sondern durch die Gegenden Deutschlands wandern, die er bis dahin nicht näher kannte. Am Sonntag, 15. April 2018, ist Hermann-Josef Bergmann ab 17 Uhr in Jürgen Rei‘s Vortragsreihe „ZeigeZeit“ in der Stadthalle zu Gast und zeigt Live-Multivisionen von seiner Deutschlandreise „Vom Watt zum Watzmann“. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit McTREK, der Buchhandlung Bücherwurm und der VHS der Stadt Datteln.

Über sein ungewöhnliches Fernwanderprojekt berichtet Hermann-Josef Bergmann in einer gut zwei Stunden dauernden Live-Multivisions-Schau. Mit fast 1.000 Bildern, die er an vielen Stellen mit passender Musik hinterlegt hat, zeigt er die Vielfalt Deutschlands entlang seiner Wanderstrecke. Alle Bilder werden mit einem Beamer im Full-HD-Format projiziert.

2007 begann die 1. Etappe: Vom nördlichsten Punkt Deutschlands, dem Ellenbogen-Strand in der Nähe von List auf der Insel Sylt, wanderte er bis nach Westerland – Etappe 1 war geschafft. Was noch folgte, waren 159 Tagesetappen, verteilt auf sieben Jahre. Dabei wanderte er hintereinander Abschnitte zwischen 8 und 18 Tagen und fing mit jedem neuen Abschnitt dort wieder an, wo er aufgehört hatte.

Noch 2007 sollte es von Westerland vorbei am Morsum-Kliff und über den Hindenburgdamm in Richtung Festland gehen. Doch leider hatte die Deutsche Bahn etwas dagegen: Für eine Wanderung über den Hindenburgdamm wurde Hermann-Josef Bergmann mehrfach ein absolutes Betretungsverbot ausgesprochen. Daher musste er mit der Bahn zum Festland fahren, um die Wanderung fortzusetzen.

Weiter ging es dann zunächst von der Nordseeküste in Richtung Schleswig, von dort an die Ostsee nach Kiel und über Lübeck und am Ratzeburger See vorbei nach Schwerin. Seine Route führte ihn über Plau am See durch die Mecklenburger Seenplatte nach Rheinsberg, der Partnerstadt seiner Heimatgemeinde Ascheberg in Westfalen. Über Neuruppin ist er 2009 nach Berlin und dort durch das Brandenburger Tor und über den Potsdamer Platz bis nach Köpenik gelaufen.

Das Bild zeigt einen Wasserfall.

Einige Abschnitte in Berlin ist er auch im Winter zur Zeit der Weihnachtsmärkte gewandert. Es folgten der Spreewald und südlich davon die Durchquerung des ehemaligen Braunkohlenreviers der DDR. Über die Burg Stolpen wanderte er durch die Sächsische Schweiz, erkundete dort die Schrammsteine und die Festung Königstein. Weiter ging es 2011 durch das Erzgebirge über Marienberg entlang der tschechischen Grenze bis nach Aue und weiter zur Saale. Er überquerte den Schneeberg im Fichtelgebirge und erreichte das schöne Bayreuth.

Immer weiter nach Süden führte seine Route ihn dann in die Oberpfalz und in das Altmühltal. Vorbei am Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg ist er dann durch das Nördlinger Ries gewandert. Von dort folgte er dem Höhenwanderweg durch die Schwäbische Alb über Urach bis zur Burg Hohenstaufen. 2013 erreichte er im Schwarzwald den Feldberg und das Wiesental. Seine Wanderung führte ihn durch die Wutachschlucht und die Vulkanlandschaft des Hegau bis zum Bodensee nach Meersburg, wo einst Annette von Droste Hülshoff ihre Gedichte verfasst hatte. Über die Zeppelinstadt Friedrichshafen führte der Weg nach Lindau.

Von dort wanderte er Richtung Oberstdorf und dann in das Rappental bis zum südlichsten Punkt Deutschlands: Am Grenzstein 147 hatte Hermann-Josef Bergmann Deutschland von Nord nach Süd durchquert, war bis dahin 138 Tage gelaufen und hatte 2.838 Kilometer zurückgelegt.

Doch sein Ziel war der Watzmann und so wanderte er weiter über Nesselwang nach Füssen und auf den Tegelberg. Es folgten die Wieskirche, Murnau, der Tegernsee und der Wendelstein. Vorbei am Chiemsee führten dann die letzten Etappen im Jahre 2014 über Ruhpolding und Inzell nach Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Ramsau. Durch die Wimbachklamm ging es dann auf das Watzmannhaus, wo die Wanderung „Vom Watt zum Watzmann“ nach 160 Tagesetappen und 3.230 Kilometern abgeschlossen war.

Die ständigen Begleiter von Hermann-Josef Bergmann waren Rucksack, Wanderstöcke und seine Kameraausrüstung, die aber nur das Nötigste umfasste, denn jedes Gramm zählte.

Ganz ohne Probleme liefen die 160 Tagesetappen selbstverständlich nicht ab: „Ich konnte zwar häufig markierten Wanderwegen folgen, aber viele Male musste ich auch einfach querfeldein wandern“, blickt Hermann-Josef Bergmann zurück. Schilder wie „Privatgelände“, „Weg nicht passierbar“ oder „Gesperrt“ hat er des Öfteren gekonnt ignoriert. Auch Betretungsverbote oder ein „Fotografieren nicht erlaubt“ waren für ihn eher Ansporn dafür, doch irgendwie eine Sondererlaubnis zu bekommen.

„Ich hatte immer wieder mit Wind und Wetter zu kämpfen, auch tagelanger Regen und sogar Neuschnee im Juni im Schwarzwald haben mich aber nicht vom Wandern abgehalten“, resümiert Hermann-Josef Bergmann. „Auch Hochwasser hat mich mehrfach zu ungeplanten Umwegen gezwungen. Lange Wanderstrecken und viele Höhenmeter stellten dann auch manchmal ganz besondere körperliche Herausforderungen für mich dar.“

Doch die Mühen haben sich für ihn gelohnt: „Es war eine Wanderung, die 160 Tage lang immer wieder den Kopf freigemacht hat, die die Augen geöffnet hat für unsere so unterschiedlichen und wunderschönen Landschaften in Deutschland. Ich habe es genossen, einfach mal an einem See eine Pause zu machen, den ziehenden Wolken zuzusehen, und den Vögeln im Schilf zu lauschen. Auch in Deutschland ist es möglich, binnen kurzer Zeit in der Natur zu sein, sogar an ganz einsamen Stellen“, lautet sein Fazit.

Weitere Infos über Hermann-Josef Bergmann auf hjbergmann.de

Tickets

Karten gibt es zum Preis von 12 Euro (Erwachsene) und 6 Euro (Kinder bis 14 Jahren) an der Abendkasse und an folgenden Vorverkaufsstellen: McTREK (Castroper Straße 80, Datteln), Bücherwurm (Castroper Straße 33, Datteln), Schuh & Schlüsseldienst am Markt (Neustraße 4, Olfen).