Dichtheitsprüfung

 

Information für Hauseigentümer - Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen

Seit November 2013 gilt in NRW eine neue gesetzliche Regelung zur Überprüfung privater Abwasserleitungen. Diese neue Landes-Rechtsverordnung (Selbstüberwachungsverordnung Abwasser - SüwVO Abw NRW 2013) verpflichtet alle Grundstückseigentümer, den Zustand und die Funktionsfähigkeit ihrer Abwasseranlagen regelmäßig selbst zu überwachen. Die Verordnung sieht keine generelle Dichtheitsprüfungspflicht für alle privaten Abwasserleitungen vor, wie sie bis März 2013 gesetzlich gefordert war. Welche Konsequenzen das für Sie als Grundstückseigentümer hat, erfahren Sie unter den folgenden Punkten:

Das Foto zeigt ein Abwasserrohr in der Dattelner Innenstadt.

1. Welche Leitungen müssen überwacht werden?

Von der Überprüfung sind alle privaten Abwasserleitungen betroffen, die häusliches, gewerbliches, industrielles Abwasser oder damit vermischtes Niederschlagswasser führen. Private Abwasserleitungen zur alleinigen Ableitung von Regenwasser sind von der Pflicht zur Selbstüberwachung ausgenommen.

2. Fristen für die erstmalige Überwachung

Für die bestehenden privaten Abwasserleitungen, die nicht in einem Wasserschutzgebiet liegen und über die nur häusliches Abwasser abgeleitet wird, sieht die Verordnung keine erstmaligen Prüffristen für die Zustands- und Funktionsprüfung vor.

Alle privaten Abwasserleitungen, die in Wasserschutzgebieten liegen, müssen grundsätzlich bis Ende 2020 erstmalig auf Zustand und Funktion überprüft werden - ganz gleich, ob sie häusliches, gewerbliches oder industrielles Abwasser führen. Wenn die Leitungen besonders verunreinigtes, gewerbliches oder industrielles Abwasser transportieren und vor 1990 gebaut wurden, muss die Prüfung bis Ende 2015 stattfinden. In Datteln sind keine Grundstücke von dieser Regelung betroffen.

Bei allen industriellen und gewerblichen Abwasserleitungen, die besonders verunreinigtes Abwasser transportieren und außerhalb der Wasserschutzgebiete liegen, muss die erstmalige Überwachung bis Ende 2020 erfolgen. In Datteln sind von dieser Regelung etwa 135 Grundstücke betroffen.

Die neu erstellten Abwasserleitungen bzw. Abwasserleitungen, die im wesentlichen Umfang saniert oder erweitert werden, müssen bei Fertigstellung von einem Sachkundigen überprüft werden.

3. Hat die Stadt das Recht, eigene Fristen für die erstmalige Überwachung der privaten Abwasserleitungen festzusetzen?

Die Stadt kann gemäß Paragraf 53 Absatz 1e des Landeswassergesetzes NRW die Prüffristen für die erstmalige Prüfung von privaten Abwasserleitungen über die neue Rechtsverordnung hinaus über eine Fristensatzung selbst regeln. Voraussetzung ist, dass die Rechtsverordnung keine Fristen vorsieht. Oder dass Sanierungsmaßnahmen an öffentlichen Abwasseranlagen zu planen bzw. durchzuführen sind. Oder dass für abgegrenzte Teile ihres Gebietes die öffentliche Kanalisation im Rahmen der Selbstüberwachung überprüft wird.

Eine derartige Regelung ist in Datteln jedoch grundsätzlich nicht geplant. Im Hinblick auf die Fremdwasserproblematik in Datteln kann es sich jedoch in begründeten Fällen als sinnvoll erweisen, im Zusammenhang mit der Sanierung des öffentlichen Kanalnetzes für begrenzte Bereiche der Stadt eine Frist für die Überwachung der privaten Abwasserleitungen durch eine Fristensatzung festzusetzen. In solchen Ausnahmefällen werden die betroffenen Eigentümer über das Vorgehen der Stadt rechtzeitig und umfassend informiert.

4. Beratung der Grundstückseigentümer

Die Kommunen in NRW wurden Kraft der neuen Verordnung verpflichtet, die betroffenen Grundstückseigentümer bezüglich Zustand und Funktionsüberprüfung ihrer Abwasserleitungen entsprechend technisch zu beraten. Bei der Stadt Datteln stehen die Mitarbeiter des Sachgebietes Stadtentwässerung gerne für die Beratung zur Verfügung.

5. Wie wird geprüft?

Die wichtigste Bestimmung lautet: Die Abwasserleitungen dürfen nur von einem anerkannten Sachkundigen geprüft werden. Eine Liste der anerkannten Prüfer veröffentlicht das Landesumweltamt. Sie haben auch die Möglichkeit, diese Informationen bei den zuständigen Industrie- und Handelnskammern oder bei der Ingenieurkammer Bau NRW abzufragen.

Eine TV-Befahrung reicht als Nachweis der Prüfung grundsätzlich aus. Nur bei industriellen und gewerblichen Abwasserleitungen, die besonders verunreinigtes Abwasser transportieren, ist eine einfache Wasserstandsprüfung bzw. sogar eine Druckprüfung mit Wasser oder Luft erforderlich. Über die Art der Prüfung berät der zugelassene sachkundige Prüfer.

6. Was passiert mit der Prüfbescheinigung?

Nach der neuen Verordnung können sich Städte und Gemeinden die Prüfbescheinigung vorlegen lassen. Die Stadt Datteln möchte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und die Vorlage der Prüfbescheinigungen in der Abwassersatzung festsetzen. Nur auf diese Weise kann die Stadt feststellen, ob die betroffenen Eigentümer ihre gesetzliche Pflicht termingerecht erfüllt haben.

Die Vorlage der Bescheinigung bei der Stadt bringt auch große Vorteile für den Grundstückseigentümer. So werden fehlerhafte Prüfungen sofort erkannt und die Betroffenen haben die Möglichkeit, die Mängel rechtzeitig bei dem sachkundigen Prüfer zu melden. Bei Neubauten oder bei einer Sanierung der Entwässerungsleitungen können die Mängel rechtzeitig erkannt und im Rahmen der Gewährleistungsansprüche bei der ausführenden Baufirma geltend gemacht werden.

7. Was ist zu tun, wenn bei der Prüfung Schäden festgestellt werden?

Nach der neuen Verordnung sind große Schäden sofort zu beseitigen. Für die Beseitigung mittlerer Schäden wird 10 Jahre Zeit gewährt. Kleine Schäden müssen zunächst gar nicht saniert werden. Wie ein Schaden zu bewerten ist, darüber entscheidet der zugelassene sachkundige Prüfer. Im Einzelfall kann die Gemeinde über abweichende Sanierungsfristen entscheiden.

8. Geld sparen - Tipps für Eigentümer

Es empfiehlt sich, grundsätzlich mehrere Angebote für eine Prüfung oder auch Sanierung einzuholen und sich vor der Beauftragung in jedem Fall bei der Stadtverwaltung beraten zu lassen. Sparen können die Eigentümer auch, wenn sie dem Prüfer aussagefähige Unterlagen (Pläne, Skizzen) über den Verlauf der Abwasserleitungen auf dem Grundstück vor Beginn der Arbeiten zur Verfügung stellen.

9. Massives Grund- und Fremdwasserproblem

Die Stadt Datteln hat ein massives Grund- und Fremdwasserproblem. Bis zu 50 Prozent des Wassers, das zurzeit in der Kläranlage Dattelner Mühlenbach gereinigt wird, ist Fremdwasser. Als Fremdwasser wird Wasser bezeichnet, das zwar in die Kanalisation gelangt, aber kein Abwasser ist - zum Beispiel Grundwasser, Wasser aus Hausdränagen, Wasser aus Felddränagen oder reines Bachwasser. Durch den ehemaligen Kohleabbau unter der Stadt haben sich einige Stadtteile teilweise um mehrere Meter abgesenkt.

Die damit einhergehende Flurabstandsreduzierung, das heißt ein geringerer Abstand zum Grundwasserhorizont, wirkte sich bisher nicht spürbar aus, da die undichten privaten und öffentlichen Kanalisationen bisher dränierend (indem sie das Wasser aufgesogen haben) wirken und damit Vernässungsschäden an der vorhandenen Bebauung verhindern.

Das Stadtgebiet von Datteln ist auch von ungünstigen geologischen Verhältnissen geprägt. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden auch als Vorfluter dienende Gewässer beseitigt und überbaut. Flächen mit geringem Grundwasserflurabstand wurden dräniert und anschließend der baulichen Entwicklung zugeführt. Die Dränagen wurden dabei zum Teil direkt an die Abwasserleitungen angeschlossen.

Durch die undichten, dränierend wirkenden Abwasserleitungen gelangt nun das Grundwasser in die neu erstellten bzw. noch zu erstellenden Sammelkanäle des Lippeverbandes. Dort muss jeder Liter zunächst mit Abwasserpumpen mehrere Meter gehoben werden, damit das Wasser zur Kläranlage gelangt, wo es aufwändig und teuer gereinigt werden muss. Dabei ist das Grundwasser in der Kläranlage eigentlich unerwünscht, da es die Abwassertemperatur senkt und das Abwasser verdünnt, was sich negativ auf die Reinigungsleistung der Kläranlage auswirkt und dadurch deutlich höhere Reinigungskosten verursacht. Nur dichte private und öffentliche Abwasserkanäle garantieren eine spürbare Reduzierung des Fremdwassers im städtischen Abwassernetz.

Haben Sie noch Fragen?

Weitere Informationen zur Dichtheitsprüfung erhalten Sie auf folgenden Internetseiten:

www.lanuv.nrw.de/wasser/gesetze.htm
www.munlv.nrw.de
www.komnetgew.de

Ihre Fragen beantworten Ihnen auch unsere Mitarbeiter vom Fachbereich Tiefbau, Sachgebiet Stadtentwässerung, jeweils von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr:

Martin Hartwig, Tel.: 02363/107-380
Birol Göcek, Tel.: 02363/107-432
Christof Murawski, Tel.: 02363/107-373
Arnold Waldera, Tel.: 02363/107-455 

Beschwerdestelle

Bitte melden Sie Auffälligkeiten oder Beschwerden über Dienstleistungen von Dichtheitsprüfern an die Abwasserexperten des IKT:

IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH
Tel.: 0209/17806-90
E-Mail: kanaldicht@ikt.de