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Hilfe bei der Suche nach Fachkräften: Agentur für Arbeit und Jobcenter stellen Förderinstrumente vor
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26.11.2019 - „Verstärkung gesucht!“ oder „Wir stellen ein!“. Solche oder ähnliche Werbung ist immer öfter auf Firmenwagen oder in Anzeigen zu lesen. Der Fachkräftemangel bereitet immer mehr Unternehmen branchenübergreifend Probleme. Im Rahmen eines Business-Frühstücks informierten auf Einladung der Wirtschaftsförderung Datteln die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Anfang November zielgerichtet über Möglichkeiten zum Thema Personalakquise, Mitarbeiterbindung und Qualifizierung.

Fortsetzungstext

Von der Agentur für Arbeit referierte in der Ratsstube des Amarita-Zentrums Sandra Breidenbach, Qualifizierungsberaterin im Arbeitgeberservice, zum Thema „Fachkräftebedarf – was tun?! Neue Chancen durch Qualifizierung.“ Denn Fachkräfte sind rar und bis Stellen endlich besetzt sind, dauert es oft (zu) lange. Befeuert wird der Fachkräftemangel durch den Wandel in der Arbeitswelt und den demographischen Wandel. „Die Personalgewinnung ist längst kein Selbstläufer mehr“, sagte Sandra Breidenbach.

Die durchschnittliche Stellenvakanz, damit ist der Zeitraum zwischen dem Termin der eigentlichen Besetzung und der tatsächlichen gemeint, lag im Jahre 2014 bei 77 Tagen. Das heißt, dass rund zweieinhalb Monate später als eigentlich zum gewünschten Stichtag geplant eine Stelle besetzt war. Der Anteil der Arbeitsstellen mit Vakanzzeiten von mehr als drei Monaten lag vor rund fünf Jahren bei 36,5 Prozent.

Wie drastisch sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zugespitzt hat, belegen die Daten aus dem Jahr 2019: Die durchschnittliche Stellenvakanzzeit beträgt in diesem Jahr bereits 118 Tage, der Anteil der Arbeitsstellen, die länger als drei Monate unbesetzt blieben, liegt bei annähernd 50 Prozent.

"Krieg um Talente" spitzt sich zu

Für die Betriebe bedeutet das, dass die Einstellungsverfahren immer zeit- und kostenaufwändiger werden, Arbeitsplätze über lange Zeit unbesetzt oder nicht passend besetzt werden, auf dem Arbeitsmarkt zunehmend weniger qualifizierte Bewerber zu finden sind und die Konkurrenz, der „Krieg um Talente“ unter den Unternehmen gleicher Branchen oder in den Regionen sich zuspitzt.  

Auf die Frage, wie stark Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen sind, gaben 34 Prozent der Unternehmensverantwortlichen an, dass die Auswirkungen „in zahlreichen Bereichen (das Thema ist dringlich)“ zu spüren sei und 38 Prozent gaben an, dass das Thema „in einigen Bereichen“ immerhin „präsent“ sei (KOFA-Studie 1/2019). Für 7 Prozent der Unternehmen ist der Fachkräftemangel „massiv/existenziell“.

Gegenmaßnahmen: Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität

Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, sind laut Sandra Breidenbach: die Mitarbeiterbindung ebenso wie Arbeitgeberattraktivität zu fördern, das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr in den Fokus zu rücken, ältere Mitarbeiter zu fördern oder Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und auszubilden.

Ein wichtiger Punkt, bei dem die Agentur für Arbeit den Unternehmen beratend und mit Förderprogrammen zur Seite steht, ist auch der Bereich der Weiterbildung. Aufgrund des steigenden Innovationstempos, bei immer kürzeren Produktionszyklen ist das Wissen der Beschäftigten schnell überholt. Und bei häufigen Veränderungen in der Arbeitsorganisation beispielsweise durch Umstrukturierung von Betriebseinheiten aufgrund technischer Neuerungen und Kostendruck nimmt die interne Weiterbildung einen immer größeren Stellenwert ein.

Förderprogramme

Speziell für gering qualifizierte Mitarbeiter, die ungelernt sind oder seit mehr als vier Jahren an- oder ungelernte Tätigkeiten ausüben oder einen Berufsabschluss nachholen möchten, aber auch für die Weiterbildung von qualifizierten Mitarbeitern stehen Förderprogramme zur Verfügung. In Frage kämen etwa das Qualifizierungschancengesetz (Beschäftigtenförderung), das eine 100-Prozent-Finanzierung der Weiterbildung und einen Arbeitsentgelzuschuss ermöglicht, das Aufstiegs-BAföG (früher Meister-BAföG), die Bildungsprämie als Förderprogramm des Bundes oder der Bildungsscheck NRW.

Auskunft zu den konkreten Förderprogrammen der Agentur für Arbeit erteilt: Sandra Breidenbach, Qualifizierungsberaterin im Arbeitgeberservice, Tel. 02305/942-225, Castrop-Rauxel.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

Chancen für Langzeitarbeitslose

Der Soziale Arbeitsmarkt bietet seit Anfang des Jahres Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Ebenso werden Arbeitgebern Wege eröffnet, den Personalbedarf zu decken. Arne von Röpenack und Noel Karytinos vom Jobcenter erläuterten die neuen Fördermöglichkeiten, die von der umfassenden Beratung für Arbeitgeber bis zur Lohnkostenförderung, der Finanzierung von Qualifizierungsmaßnahmen und der Unterstützung durch einen Jobcoach reichen.

Hinter § 16e des Sozialgesetzbuches 2 verbirgt sich beim Jobcenter die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen. Zielgruppe sind alle Arbeitgeber aus allen Branchen, die einen neuen Arbeitnehmer einstellen, der mindestens zwei Jahr arbeitslos ist. 75 Prozent der Lohnkosten werden im ersten und 50 Prozent im zweiten Jahr über eine Förderung finanziert. Anschließend besteht keine Nachbeschäftigungspflicht. Das sogenannte Jobcoaching im ersten halben Jahr ist obligatorisch. In regelmäßigen Abständen tauscht sich der neue Mitarbeiter mit einem Coach des Jobcenters aus, um eventuelle Probleme frühzeitig zu erkennen und aus dem Weg zu räumen. 90 Integrationen hat es über den § 16e in diesem Jahr im Kreis Recklinghausen bereits gegeben. „Die Abbruchquote liegt hier gerade mal bei 6% Prozent, ein vergleichsweise verschwindend geringer Wert“, sagt Arne von Röpenack.

Förderung über "16i"

Eine Förderung über 100 Prozent in den ersten beiden Jahren, im Folgejahr über 90 Prozent, im vierten Jahr 80 Prozent und im fünften Jahr 70 Prozent bekommen Arbeitgeber, die über „16i“ einen Arbeitnehmer einstellen, der mindestens fünf Jahre lang arbeitssuchend ist, auch dabei spielt die Branche keine Rolle. Parallel dazu wird der neue Mitarbeiter über ein Jahr lang von einem Coach begleitet. Auch hier verzeichnet das Jobcenter eine extrem niedrige Abbruchquote.

Auskunft zu den konkreten Förderprogrammen des Jobcenters Kreis Recklinghausen erteilten Mareike Reschke, Tel. 02363-5677943, mareike.reschke@vestische-arbeit.de oder Noel Karytions, Tel. 02363-5677942, noel.karytinos@vestische-arbeit.de.