Online-Vortraege | Stadt Datteln

Online-Vorträge der VHS

 

Mehr Wissen mit der VHS - Ab 18. Mai 2020 im Livestream: Online-Vorträge zu wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen

„Lernen geht immer“, dachte sich das Team der VHS und schloss sich der Online-Vortragsreihe „vhs wissen.live – das digitale Wissenschaftsprogramm“ an. Die Initiative geht zurück auf die Volkshochschule im Landkreis Erding und die Volkshochschule SüdOst im Landkreis München. Die Angebote laufen vom 18. Mai bis 25. Juni 2020 und sind zurzeit gebührenfrei.
Das Bild zeigt das Logo von vhs - wissen live - das digitale Wissenschaftsprogramm
Via Livestream haben die Sie die Möglichkeit, in dieser Zeit an Vorträgen zu aktuellen, wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen teilzunehmen. Im Anschluss können sie im Chat mitdiskutieren. Die Referent*innen sind renommierte und bekannte Persönlichkeiten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen.

Den Auftakt macht am Montag, 18. Mai 2020, Dr. Hans Woller mit seinem Vortrag zum Thema „Gerd Müller: oder Wie das große Geld in den Fußball kam“. Der Vortrag dürfte nicht nur für Fußballbegeisterte in den aktuellen entbehrungsreichen Zeiten eine willkommene Abwechslung sein. Livestream von 19.30 bis 21 Uhr.

Wie melden Sie sich an?

Bis spätestens 11 Uhr am Tag des Vortrags formlos per E-Mail an vhs@stadt-datteln.de. Bitte geben Sie den Titel des Vortrags und ihren Namen an. Sobald die Anmeldung bearbeitet ist, erhalten Sie den Zugangslink zum Livestream per E-Mail.

Die Online-Vorträge

Montag, 18. Mai 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Dr. Hans Wollner
„Gerd Müller: oder Wie das große Geld in den Fußball kam"


Sie nannten ihn das „achte Fußball-Weltwunder“ und meinten damit Gerd Müller, der als Torjäger noch heute alle Rekorde hält. Wer war dieser Mann, der vom Provinzkicker aus ärmlichsten Verhältnissen zum Weltstar aufstieg, reich wurde und dann nach einem Ausflug in das Fußballentwicklungsland Amerika alkoholsüchtig in der Gosse landete?
Das Bild zeigt Dr. Hans Woller
Der Historiker Dr. Hans Woller schildert in seinem Vortrag die Etappen dieser ungewöhnlichen Karriere – aus kritischer Distanz und zugleich voller Empathie. Die Geschichte des FC Bayern München ist dabei stets präsent. Müllers Verein etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren an der Spitze des europäischen Fußballs, bewegte sich aber immer am Rand des finanziellen Ruins. Wie die Insolvenz abgewendet werden konnte, welche zwielichtige Rolle dabei die bayerische Staatsregierung und die CSU spielten und in welchem Maße Superstars wie Müller oder Beckenbauer von diesen Machenschaften profitierten, ist bisher noch nie so eindringlich dargestellt worden. Fußballgeschichte wird hier zur Zeitgeschichte, die damit eine neue wissenschaftliche Dimension gewinnt.

Dr. Hans Woller war bis zu seiner Pensionierung als Chefredakteur für die Schriftenreihe „Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte“. Er gilt als einer der besten Kenner der jüngeren italienischen Geschichte.

Mittwoch, 27. Mai 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Prof. Dr. Ursula Prutsch
Brasilien: Die Zerstörung der Demokratie unter Jair Bolsonaro


Von 1964 bis 1985 regierten Diktatoren den größten lateinamerikanischen Staat. Auch in den Jahrzehnten davor hatte es Phasen der Diktatur gegeben. Mit der Verfassung von 1988 schien die Gefahr systematischer staatlicher Willkür gebannt und der Wille zu einer transparenten demokratischen Kultur besiegelt zu sein. Die Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff brachten Brasilien internationale Wertschätzung ein: durch ihre Sozialpolitik und ihr Bemühen, Rassismus und Diskriminierung - das Erbe der ehemals größten Sklavenhaltergesellschaft auf dem amerikanischen Kontinent - zu überwinden.
Das Bild zeigt Prof. Dr. Ursula Prutsch.
Mit der Wahl von Jair Messias Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens wird das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, werden politische Errungenschaften zerstört. Wie ist der Wahlerfolg Bolsonaros zu begründen? Welche Gefahren birgt seine Politik für die Zukunft Brasiliens?

Ursula Prutsch ist Professorin am Amerika-Institut der LMU München. Sie unterrichtet US-amerikanische und lateinamerikanische Geschichte. Sie schrieb unter anderem (mit Enrique Rodrigues-Moura) eine Kulturgeschichte Brasiliens (2013), eine Biographie über Eva Perón (2015) und ein Buch zu Populismus in den USA und Lateinamerika (2019).

Donnerstag, 28. Mai 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Leila Al-Serori und Bastian Obermayer
Die "Ibiza-Affäre"

Im Mai 2019 veröffentlichte die Südddeutsche Zeitung gemeinsam mit dem Spiegel das Ibiza-Video, das ein politisches Erdbeben in Österreich auslöste. Der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache trat von allen Ämtern zurück, die Regierung zerfiel, es wurden Neuwahlen ausgerufen.
Das Bild zeigt Leila Al-Serori und Bastian Obermayer
Die SZ-Redakteure Leila Al-Serori und Bastian Obermayer erzählen von den Recherchen, den Folgen und wie sie ein Jahr später auf die Ereignisse blicken. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung statt.

Dienstag, 2. Juni 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Prof. Dr. Frank Trentmann
Konsum im Zeichen des Coronavirus: Historische Einblicke und Ausblick auf die Zukunft

Was wir konsumieren ist zu einem bestimmenden Aspekt des modernen Lebens geworden. Wir definieren uns über unseren Besitz, und der immer üppigere Lebensstil hat enorme Folgen für die Erde. Wie kam es dazu, dass wir heute mit einer derart großen Menge an Dingen leben, und wie hat das den Lauf der Geschichte verändert?
Das Bild zeigt Frank Trentmann.
Frank Trentmann, Historiker am Birkbeck College der Universität London, erzählt in "Herrschaft der Dinge" erstmals umfassend die faszinierende Geschichte des Konsums. Von der italienischen Renaissance bis hin zur globalisierten Wirtschaft der Gegenwart entwirft er eine weltumspannende Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, die eine Fülle von Wissen bietet, den Blick aber ebenso auf die Herausforderungen der Zukunft lenkt angesichts von Überfluss, Klimawandel und Turbokapitalismus. Im Vortrag und der danach folgenden Diskussion werden konventionelle Sichtweisen von Shopping hinterfragt und der Blick auf die Rolle des Staates und die der Zivilgesellschaft für den Aufstieg der Konsumenten und unsere heutigen Lebensweisen gerichtet. Eine Geschichte des Konsums liefert einen unverzichtbaren Beitrag zu den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Debatten unserer Zeit.

Frank Trentmann ist Professor für Geschichte am Birkbeck College der Universität London. Er studierte und promovierte an der Harvard University und lehrte anschließend in Princeton. 2017 erhielt er von der Alexander von Humboldt-Stiftung den Humboldt-Forschungspreis.


Mittwoch, 3. Juni 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Lisa Schnell und Roman Deininger
Markus Söder – der „Corona-Kanzler“? SZ-Reporter diskutieren das Krisenmanagement des Ministerpräsidenten


Markus Söder hat wundersame Wandlungen hinter sich: Einst galt er als politischer Hallodri, vor nicht einmal zwei Jahren war er ein Scharfmacher im Asylstreit. Dann avancierte er zum Baum- und Bienenfreund – und nun also zum gefühlten „Corona-Kanzler“.
Das Bild zeigt Lisa-Schnell und Roman-Deininger
Die SZ-Reporter Lisa Schnell und Roman Deininger begleiten Söder seit vielen Jahren. Was ist von seinem Krisenmanagement zu halten? Will er wirklich Bundeskanzler werden? Diese und viele andere Fragen zur Politik in Zeiten des Virus diskutieren Schnell und Deininger im Livestream. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung statt.

Mittwoch, 17. Juni 2020, 19.30 bis 21.00 Uhr, Adrian Lobe
Der Code der Macht: Wer beherrscht den digitalen Raum?

Vom utopischen Gründergeist der frühen Entwicklungsjahre des Internets – als Ort des freien Wissens und der Unabhängigkeit – ist nicht mehr viel übrig. Regierungen zensieren das Netz und errichten elektronische Sperrzäune, Geheimdienste saugen gemeinsam mit Tech-Giganten private Nutzerdaten ab, Troll-Fabriken verbreiten Fake-News und torpedieren ganze Wahlkämpfe.
Das Bild zeigt Adrian Lobe.
Das Internet, so der bittere Befund, ist kaputt. Und niemand hat eine Strategie, wie man es reparieren kann. Viel schlimmer: Mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen bauen wir unser eigenes Datengefängnis, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Tech-Konzerne wie Apple, Amazon und Google ließen Vertragsarbeiter reihenweise Audio-Mitschnitte ihrer Nutzer auswerten: Patientengespräche, Drogengeschäfte, Sex - minutiös wurde das Leben der Anderen protokolliert. Ist es mit der Privatsphäre endgültig vorbei?

Der Journalist und Buchautor Adrian Lobe analysiert in seinem Vortrag diese tektonischen Machtverschiebungen in der digitalen Gesellschaft, er erklärt die Fallstricke smarter Gadgets, die nicht die digitalen Diener sind, als die sie vermarktet werden, und er zeigt Lösungen auf, wie man sich aus dem Klammergriff der Datenkraken befreien kann.

Adrian Lobe studierte in Tübingen, Paris und Heidelberg Politik- und Rechtswissenschaft und arbeitet für verschiedene Zeitungen im deutschsprachigen Raum. 2016 wurde er mit dem Preis des Forschungsnetzwerks Surveillance Studies ausgezeichnet, 2017 erhielt er den ersten Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz.