Aus dem Rathaus

 

Der Zustand der städtischen Gebäude ist gut

Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Dattelner-Morgenpost-Artikel „Stadt-Gebäude in schlechtem Zustand“ vom 5. März 2010

In dem oben genannten Artikel wird behauptet, die städtischen Gebäude seien in einem schlechten Zustand. Dass das nicht so ist, möchte die Stadtverwaltung mit Fakten widerlegen: Die Stadt Datteln hat im Jahr 2009 etwa 723.000 Euro für Hochbaumaßnahmen in der Gebäudeinstandhaltung (konsumtiv) und im investiven Bereich von etwa 1.746.000 Euro umgesetzt – also insgesamt etwa 2,47 Millionen Euro.

Im investiven Bereich sind vor allem folgende Maßnahmen zu nennen:

  • Umbau und Erweiterung der Feuerwehrgerätehäuser Horneburg und Ahsen
  • Errichtung und Einrichtung der offenen Ganztagsschule in der Lohschule
  • Erweiterung der vorhandenen offenen Ganztagsschule in Meckinghoven
  • Umfangereiche Umgestaltung der Hauptschule Hachhausen
  • Einrichtung einer Zweigstelle des Comenius-Gymnasiums in der Josefschule
  • Sanierung des Sporthaus Horneburg (Sportplatz)
  • Errichtung eines Kolumbariums

Angesichts dieser Masse von Maßnahmen von einem schlechten Zustand der städtischen Gebäude oder von einem ernst zu nehmenden Wertverlust zu sprechen, entbehrt jeder Grundlage. Einige Rückstellungen für ausstehende Instandhaltungsmaßnahmen können mit dem vorhandenen Personal zwar nicht fristgerecht umgesetzt werden, da einige dieser Maßnahmen über das Konjunkturpaket finanziert werden sollen. Dies muss aber nicht zwangsläufig zu einer Wertberichtigung in der Bilanz führen, da die Umsetzung der Instandhaltungsmaßnahmen nach wie vor beabsichtigt ist.

Auch die Gemeindeprüfungsanstalt hat in ihrem jüngsten Bericht bestätigt, dass bei der bisherigen Instandhaltungsrate kein Wertverlust zu befürchten sei. Von einer „schleppenden Bauunterhaltung“ kann also keine Rede sein.

Außerdem ist die Bearbeitung der stadteigenen Hochbaumaßnahmen in einem anderen Fachbereich angesiedelt als die Stadtplanung und die Bauordnung. Daran ist zu erkennen, dass kein Zusammenhang bestehen kann zwischen der E.ON-Planung und der Abarbeitung von Maßnahmen im städtischen Gebäudebestand.

Resolution des Dattelner Stadtrats: Für den Erhalt der Notdienstpraxis im St.-Vincenz-Krankenhaus

Der Stadtrat hat am 16. Dezember 2009 folgende Resolution beschlossen: Die Mitglieder des Dattelner Stadtrats sprechen sich entschieden dagegen aus, dass die seit Ende 2007 bestehende Notdienstpraxis im St.-Vincenz-Krankenhaus zum 1. Januar 2011 geschlossen wird.

Die Notdienstreform der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sieht vor, dass es zum 1. Januar 2011 nur noch zwei zentrale Notdienstpraxen im Kreis Recklinghausen gibt: eine in Recklinghausen und eine in Marl. Dattelner Bürgerinnen und Bürger müssten dann im Notfall unter Umständen 13 Kilometer weit fahren – je nachdem, wo die Notdienstpraxis angesiedelt sein wird. Einem Kranken ist eine derartige Entfernung im Notfall auf keinen Fall zuzumuten – vor allem dann nicht, wenn der Faktor Zeit eine große Rolle spielt. Fraglich ist zudem, wie ältere Menschen diese Strecke bewältigen sollen.

Die Reform bringt auch eine Mehrbelastung für das St.-Vincenz-Krankenhaus mit sich: Denn es ist davon auszugehen, dass Bürger den weiten Weg scheuen und sich auf kürzestem Wege in das St.-Vincenz-Krankenhaus begeben. Die Einrichtung ist verpflichtet, keinen Patienten ungesehen wegzuschicken, was zu einer Belastung der dortigen Ambulanz führt. Es wird zudem zu Wartezeiten kommen, da die Versorgung gravierender medizinischer Notfälle und der stationär untergebrachten Patienten Vorrang haben muss.

Im Interesse der Dattelner Bürger und zur Aufrechterhaltung einer funktionierenden ortsnahen medizinischen Versorgung ist eine Schließung der Notdienstpraxis nicht zu vertreten.

Konjunkturpaket II

Vom Konjunkturpaket II profitiert die Stadt Datteln mit insgesamt 3,3 Millionen Euro. Geld, das sinnvoll ausgegeben werden kann für nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen unter anderem auch an den Schulen.

Am 20. Mai 2009 hat der Rat der Stadt Datteln den ersten Teil des Konjunkturpakets II in Höhe von 1.920.500 Euro für energetische Maßnahmen beschlossen. Davon entfallen 1.351.250 Euro auf die Schulen – unter anderem für die Sanierung des Flachdachs (145.000 Euro) und für die Erneuerung der Außentüren (20.000 Euro) am Comenius-Gymnasium. Weiterhin hat der Rat weitere Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 569.250 Euro verabschiedet.

Beim ersten Teil des Konjunkturpakets hat sich die Stadt Datteln vor allem auf energetische Maßnahmen beschränkt, weil diese mit Sicherheit ausgeführt werden dürfen. Nach einer Grundgesetzänderung besteht nun auch die Möglichkeit, nicht energetische Maßnahmen im zweiten Teil des Konjunkturpakets II durchzuführen. Zu diesem Thema laufen fast jeden Tag neue Informationen in der Kämmerei darüber ein, was machbar ist und was nicht. Dennoch gilt weiterhin für alle Maßnahmen, dass sie nachhaltig sein müssen. Das bedeutet, dass eine längerfristige Nutzung auch angesichts demografischer Veränderungen vorgesehen sein muss.

Die Stadtverwaltung erarbeitet zurzeit, welche Maßnahmen im zweiten Teil des Konjunkturpakets II in Angriff genommen werden sollen. Diese Liste wird dem Rat am Mittwoch, 23. September 2009, zur Entscheidung vorgelegt.

Personal der Stadtverwaltung verabschiedet Resolution an den Rat

Die Personalversammlung der Stadtverwaltung hat am 17. Juni 2009 folgende Resolution beschlossen, die dem Rat der Stadt Datteln am 24. Juni 2009 vorgelegt wurde:

"Wir, Beamtinnen und Beamte, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, erwarten vom Rat der Stadt verstärkte Aktivitäten in Richtung Kreis, Land und Bund, mit dem Ziel einer Gemeindefinanzreform zur dauerhaften Entschuldung der Stadt.

Wir sind nicht mehr bereit, weiterhin Einschränkungen durch die sich stetig verschlechternde Haushaltssituation hinzunehmen. Sie sind in der Verantwortung. Nutzen Sie Ihre politischen Möglichkeiten, um diese Stadt lebenswert und ihre Verwaltung handlungsfähig zu halten. Kommunen als Garanten des sozialen Friedens müssen wieder in die Lage versetzt werden, finanzielle Entscheidungen zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu treffen.

Gleich, welche Anstrengungen die Stadt auch unternimmt – es wird ihr aus eigener Kraft nicht gelingen, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.

Wir fordern daher den Rat der Stadt Datteln auf:

  • Setzen Sie nicht in vorauseilendem Gehorsam alle erdenklichen Sparmaßnahmen um! Bewerten Sie insbesondere die Ergebnisse der Gemeindeprüfungsanstalt kritisch.
  • Haben Sie Mut, über Parteigrenzen hinweg Ihrem Gewissen zu folgen. Verweigern Sie den Anweisungen der Bezirksregierung bzw. des Innenministeriums Ihre Zustimmung in dieser nach unserem Dafürhalten bestehenden Unrechtssituation.
  • Opfern Sie die Chance, über Stadt- und Parteigrenzen hinaus Bündnisse zur Sicherung der sozialen Leistungsfähigkeit der Kommunen zu schließen, nicht den Wahlkämpfen der nächsten Monate.
  • Bekennen Sie sich auch weiterhin zu Ausbildung und Übernahme bei der Stadtverwaltung Datteln, dies auch insbesondere vor dem Hintergrund der Altersstruktur (Demografie).
  • Verhindern Sie die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, verhindern Sie Public-Private-Partnership (PPP) – die Privaten stellen ihre Schwächen gerade unter Beweis. Widersprechen Sie dem Diktat „Privat vor Staat“ – bekennen Sie sich zu dem politischen Motto: „Öffentlich ist wesentlich“.
  • Fordern Sie auch in Ihren eigenen Parteien kreative Lösungen zur Entschuldung der Städte.
  • Sichern Sie das Überleben der Stadt, sichern Sie die kommunale Selbstverwaltung, sichern Sie die Arbeitsplätze der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
  • Garantieren Sie ein umfangreiches kommunales Kultur- und Bildungsangebot auch im Sinne einer toleranten und demokratischen Entwicklung der Zivilgesellschaft.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass die von der Bundesregierung geplante Schuldenbremse für die Länder, die auch die Kommunen nachhaltig treffen wird, nicht zur Umsetzung gelangt. Diese Schuldenbremse ist eine selbstverordnete Abwrackprämie, nur dass Beschäftigte und auch Bürgerinnen und Bürger den Preis hierfür zu entrichten haben."

Bürgermeister Wolfgang Werner zum Haushalt 2009

Rede in der Ratssitzung vom 21. Januar 2009
Porträt-Foto von Bürgermeister Wolfgang Werner

Liebe Ratsmitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

zunächst einmal möchte auch ich mich recht herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung und hier ganz besonders in der Kämmerei bedanken.

Es war nicht einfach, diesen Haushalt aufzustellen. Wir mussten uns zunächst orientieren und qualifizieren, was die neuen Fragen von Bilanzen und andere haushaltstechnische Begriffe betrifft.

Die Mühe hat sich gelohnt: Wir haben in der Verwaltung eine hohe Kompetenz in diesen Fragen erworben. Das gilt vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mit-arbeiter in der Kämmerei. Aber auch für alle anderen Fachbereiche. Was wir besonders bei der Erstellung der Eröffnungsbilanz festgestellt haben.

Allerdings: Ich muss diejenigen enttäuschen, die gehofft oder erwartet hatten, dass wir uns mit NKF von unserem Haushaltsdefizit verabschieden können. Dafür sind die Belastungen viel zu groß, die uns Bund und Land in der Vergangenheit aufgebürdet haben.

Gerne nenne ich Ihnen ein paar Beispiele für Aufgaben, die uns im deutlichen Widerspruch zum Konnexitäts-prinzip auferlegt worden sind:

  • Steuerreform 2001
  • Solidarbeitrag Ost
  • Hartz-Reformen mit Kosten der Unterkunft und ständig steigende Kreisumlagen

Was das konkret bedeutet, welche Auswirkungen diese Lasten für den städtischen Haushalt haben, hat Kämmerer Hans-Dieter Kobe Ihnen soeben berichtet. Er hat Ihnen auch verdeutlicht, dass wir es nicht schaffen werden, aus eigener Kraft diese Haushaltsmisere zu überwinden - eine Erfahrung, die übrigens schon viele Gemeinden nicht nur im Kreis Recklinghausen gemacht haben.

Der Blick auf den Haushalt macht es noch einmal überdeutlich: Was wir brauchen, ist eine eingehende Reform des kommunalen Finanzausgleichs. Und dafür brauchen wir auf jeden Fall die Unterstützung des Landes NRW.

Wir Bürgermeister des Kreises Recklinghausen haben bereits mehrfach versucht, unser Anliegen und das anderer Gemeinden in Düsseldorf vorzutragen. Wir haben mit Mitarbeitern des Ifo-Instituts geredet und Vorschläge unterbreitet. Die Gründung der AG Nothaushaltsgemeinden wurde vorangetrieben. Außerdem wurden unsere Sorgen im Fachausschuss des Landtags vorgetragen.

Was hat uns das bis jetzt gebracht?

Ich kann leider nicht behaupten, das Gefühl zu haben, dass wir überhaupt gehört worden sind. Deshalb ist es ein logischer Schritt - wie bereits von Herrn Kobe erwähnt -, dass wir gemeinsam mit allen Städten des Kreises Recklinghausen und mit dem Kreis Verfassungsklage erheben werden. Die Vollmacht dazu habe ich bereits unterschrieben und auf den Weg gebracht. Jetzt müssen wir abwarten und hoffen, dass uns dieser Schritt künftig von einigen finanziellen "Fesseln“ befreien wird.

Ein Blick zurück zeigt: Die Stadt Datteln hat seit 1994 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr. Weshalb wir seitdem jährlich ein Haushaltssicherungskonzept erstellen - erstellen müssen.

Das bedeutet, dass wir unsere Zahlen und Fakten der Kommunalaufsicht vorlegen. Dabei zeigen wir auf, was wiraus eigener Kraft und in gemeinsamer Verantwortung getan haben und in Zukunft tun wollen, damit unsere kommunalen Finanzen bald besser dastehen.

Eines weiß ich mit Gewissheit: Ohne die Anstrengungen von Rat und Verwaltung würde unser Haushalt eine weitaus größere finanzielle Lücke aufweisen.

Im Rahmen der Haushaltssicherung haben wir bereits einige Projekte erfolgreich angefangen, die wir teilweise auch schon zu Ende gebracht haben.

Da ist zum einen unser umfassender, umfangreicher und im Kreis einzigartiger Schulentwicklungsplan, den wir nicht nur aufgrund demografischer Veränderungen, sondern auch aus finanziellen Gründen so aufgestellt haben.

Aktuell planen wir, die Bewirtschaftung unserer Sportstätten in einen Betrieb gewerblicher Art umzusetzen.

Mit dem Fachbereich 7 (Immobilien und Bauverwaltung) planen wir, den Betriebshof als Eigenbetrieb weiterzuführen. Diese Maßnahme wird den städtischen Haushalt entlasten und den Service für die Bürgerinnen und Bürger verbessern.

Die Haushaltssicherung bedeutet aber nicht nur große organisatorische Anstrengungen für die Stadtverwaltung. Vielmehr sind damit auch unpopuläre Entscheidungen verbunden. Ich darf in diesem Zusammenhang an die Anhebung der Gewerbesteuer und an die Diskussion über die Erhöhung der Musikschulgebühren erinnern.

Wir werden in Zukunft selbstverständlich stark bei den Personalkosten sparen müssen - aber immer nur in dem Maße, dass Projekte wie newPark, Kraftwerksbau, B 474n, Wasserstadt und die Weiterentwicklung von Gewerbegebieten nicht gefährdet werden.

Darüber hinaus müssen wir auch weiterhin eine Grund-Infrastruktur in Datteln vorhalten, um unsere Stadt für ansiedlungswillige Betriebe und zuzugsfreudige Bürger attraktiv zu halten. Und dazu zählen neben Musikschule und Bücherei auch ein Hallenbad mit entsprechenden Sporthallen und eine funktionierende Schullandschaft. Dazu gehört aber auch, dass wir die Innenstadt weiter attraktivieren - als Beispiele darf ich die Schemm-Bebauung und die Belebung der Fußgängerzone nennen.

Ein Blick ins Rheinland zeigt: Auch die Stadt Langenfeld hat es nicht alleine durch Sparmaßnahmen geschafft, aus dem Schuldensumpf herauszukommen. Durch die Ansiedlung von Betrieben wurden dort in den vergangenen Jahren ca. 4.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Von 1997 bis 2006 erhöhten sich dort die Gewerbesteuer-Einnahmen von ca. 22,5 Millionen auf etwa 62 Millionen Euro. Damit stiegen aber nicht nur die Gewerbesteuer-Einnahmen. Vielmehr stieg in der gleichen Zeit auch die Anzahl der Bürger, was der Stadt Langenfeld höhere Schlüsselzuweisungen einbrachte.

Durch die Beschlüsse des Rates in den zurückliegenden Monaten haben auch wir uns zukunftsorientiert aufgestellt.

Das bedeutet:

Wir haben große Projekte auf die Schiene gesetzt, die zukunftsweisend sind und uns in die Lage versetzen, mehr Gewerbesteuern einzunehmen und - was noch wichtiger ist: Diese Projekte schaffen Arbeitsplätze für Datteln und die Region.  

Da ist zum einen das E.ON-Kraftwerk: Wenn Datteln 4 ans Netz geht, wird die E.ON-Kraftwerke GmbH vermutlich einer der größten Gewerbesteuerzahler in Datteln sein.

Zum anderen ist da selbstverständlich newPark, mit dem wir viele Arbeitsplätze schaffen möchten. Weitere Arbeitsplätze schaffen wir aber auch durch die Weiterentwicklung von Gewerbegebieten - zum Beispiel im Sutumer Bruch, im Löringhof neben dem Kraftwerk und durch eine vernünftige Nachnutzung der Ruhrzink-Fläche.

Und von genau diesen Arbeitsplätzen verspreche ich mir, dass mehr Bürgerinnen und Bürger nach Datteln ziehen, um bei uns zu leben. Und für diese Bürger können wir attraktive Wohngebiete wie in der Wasserstadt zur Verfügung stellen. Ein Anstieg der Bevölkerungszahlen wird sich wiederum positiv auf die Schüsselzuweisungen und auf den Anteil an der Einkommensteuer auswirken.

Ich sehe aufgrund unserer vielen und guten Projekte eine große Chance, dass wir - wenn auch nicht kurzfristig, dann aber mittel- bzw. langfristig - unseren Haushalt sanieren können. Wobei ich aber weiterhin anmerken muss, dass dafür eine Änderung des Gemeindefinanzierungsgesetzes erforderlich ist.

Warum Datteln nicht mit Raesfeld zu vergleichen ist

Stellungnahme zum Artikel „Sparpolitik ist machbar, Herr Nachbar“ vom 10. Dezember 2008 in der Dattelner Morgenpost

Der Artikel „Sparpolitik ist machbar, Herr Nachbar“ zeigt auf, wie der Raesfelder Bürgermeister Udo Rößing seine schuldenfreie Gemeinde führt. Das wirkt wie ein Vergleich mit den Verhältnissen in Datteln – ein Vergleich, den selbst der erste Bürger von Raesfeld für nicht statthaft hält: „Man kann unsere Gemeinde nicht ohne Weiteres mit anderen Städten vergleichen“, sagt Udo Rößing.

Raesfeld befindet sich am südlichen Rand des Kreises Borken und hat 11.041 Einwohner. Die schuldenfreie Gemeinde zahlt als Kreisumlage lediglich 31,5 Prozent (2008) – im Gegensatz zur Stadt Datteln, die jährlich mit 44,61 Prozent bzw. etwa 16 Millionen Euro dabei ist. Würde die Kreisumlage im Kreis Recklinghausen ebenfalls 31,5 Prozent betragen, würde dieser Posten im Haushalt der Stadt Datteln jährlich nur mit etwa 11,3 Millionen Euro zu Buche schlagen. Das sind 4,7 Millionen Euro weniger. In zehn Jahren wären das sogar stattliche 47 Millionen Euro – Zinsen und Zinseszinsen nicht eingerechnet. Zulasten der Stadtfinanzen gehen aber auch die Zahlungen für den Fonds Deutsche Einheit, in den die Stadt Datteln seit 1991 etwa 20 Millionen Euro eingezahlt hat – ebenfalls ohne Zinsen und Zinseszinsen.

All das zeigt bereits, dass der Vergleich Datteln-Raesfeld kaum angebracht ist. Hinzu kommt: Raesfeld hat keinen eigenen Kindergarten und somit keine Personalkosten in diesem Bereich. Aber auch nur drei Schulen – elf weniger als Datteln, also auch weitaus geringere Bewirtschaftungskosten, die alleine für die neue Dependance des hiesigen Comenius-Gymnasiums in 20 Jahren 1,2 Millionen Euro ausmachen. Raesfeld hat aber auch keine hauptamtlichen Feuerwehrbeamten, sondern eine freiwillige Feuerwehr. Für seine Feuerwehrbeamten wendet die Datteln jährlich etwa 2,6 Millionen Euro an Personalkosten auf.

Raesfeld beschäftigt aber auch keine Ingenieure, sondern kauft deren Leistungen extern ein: „Das sind Kosten, die man bei einem direkten Vergleich der Personalkosten herausrechnen müsste, weil die bei uns nicht als Personal-, sondern als Sachkosten aufgeführt werden“, sagt Raesfelds Bürgermeister Udo Rößing. Hinzu kommt: Die Nicht-Beschäftigung von Ingenieuren bedeutet nicht automatisch geringere Kosten.